Dresden: Schnittpunkt der Kulturen
300 Jahren ist es her, daß in Dresden europäische Brücken geschlagen werden. Kurfürst August der Starke erhält die polnische Königskrone. Sein Sohn Moritz wird größter Feldherr Frankreichs. Ein enormer kultureller und politischer Austausch beginnt. Europa lebt und präsentiert sich mit allem Prunk.
Französische und italienische Musik, Malerei und Baukunst gehen in Dresden eine einzigartige Synthese ein und führen zu den Höhepunkten europäischer Barockkultur. Die katholische Religiosität Böhmens verbindet sich seit Augusts Konfessionswechsel mit protestantischem Glaubensausdruck des Dresdner Bürgertums. Symbole des polnischen Königtums sind überall in der Stadt zu finden.
Von 1933 bis 1945 ist Dresden von jeglichem kulturellen Austausch mit dem Ausland abgeschnitten. Der Krieg führt mit der Zerstörung der Altstadt zum schwärzesten Moment der europäischen Kulturgeschichte. Die vierzig Jahre in der DDR öffnen das kulturelle Fenster nur in Richtung Osten - und auch das mit Einschränkungen.
Heute besinnt sich Dresden an seine alte Rolle als Schnittpunkt der Kulturen und ist seit 1992 auch Zentrum der Euregio Elbe / Labe. Die Elbe bietet eine reizvolle Flußlandschaft, die touristisch mit zahlreichen Attraktionen aufwarten kann. Von Diesbar - Seußlitz im Norden bis Pirna im Süden wird sie begleitet von der Sächsischen Weinstraße.
Das mittelalterliche Meißen war bei seiner Gründung vor über 1000 Jahren Zentrum der Ostkolonisation des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in slawischem Gebiet. Der gotische Dom und die Renaissance - Burg sind ebenso sehenswert wie die verwinkelten Gassen und die Porzellanmanufaktur.
In Radebeul läßt sich in der Nähe der Weinberge der Wilde Westen und der Orient erleben. Im Haus des Abenteuer- Schriftstellers Karl May ist ein Indianer- Museum und eine große Sammlung orientalischer Reiseandenken zu bewundern.
Von Dresden aus nach Südosten die Elbe entlang ist es nicht weit bis Pirna. Die gotische Marienkirche dominiert das mittelalterliche Stadtbild, das sich dem Besucher heute noch fast so präsentiert, wie es der italienische Vedutenmaler Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, auf die Leinwand gebracht hat.
Die Sächsische Schweiz hat seit Anfang des 19. Jahrhunderts Maler aus ganz Europa angezogen. Der historische Malerweg ist für die Besucher wieder zugänglich gemacht worden. Mit den historischen Raddampfern der Sächsischen Dampfschiffahrtsgesellschaft kann man die Elbe entlang fahren, sogar bis nach Böhmen. Die Böhmische Schweiz setzt das Landschaftsbild der zerklüfteten Felsenwelt im Süden bis nach Usti (Aussig) und Decin fort. Sächsische und Böhmische Schweiz erklingen im Sommer zum Festival "Sandstein und Musik".
Reizvoll und vielfältig ist auch das Erzgebirge, bekannt als das Weihnachtsland. Von Teplice in Tschechien bis Dresden sowie im Erzgebirge findet regelmäßig im Juni das Sächsisch - Böhmische Musik Festival statt. Durch das Erzgebirge führt die mit 150 Kilometer kürzeste Strecke von Dresden nach Prag. Polen ist von Dresden ebenfalls gut zu erreichen. Zur 100 Km entfernten Grenzstadt Görlitz mit seinem einmalig gut erhaltenen Renaissance - Stadtkern und den Gründerzeitvierteln verkehrt ein Interregio - Zug, der teilweise bis zu Dresdens Partnerstadt Wroclaw (Breslau) durchfährt. Die Autobahn dorthin ist seit 1999 durchgängig befahrbar. Auf dem Weg passiert man das vieltürmige Bautzen, Zentrum der Oberlausitz.
Hier kann der Besucher vor allem in der Osterzeit die reiche Volkskultur der Sorben erleben, eine slawische Minderheit mit eigener Sprache.
Von Dresden aus in nördliche Richtung ist die Landesgrenze zu Brandenburg bald erreicht. Deutlich ist der Wechsel in der Architektur ablesbar, wenn die im sächsisch - österreichischen Gelb gehaltenen Barockhäuser, vom märkischen Backstein abgelöst werden. Bis zur Bundeshauptstadt Berlin sind es von Dresden aus nur 180 Kilometer. Ein Besuch im kanaldurchzogenen urtümlichen Spreewald und Cottbus lohnt den Umweg.
Als Landeshauptstadt bietet Dresden nicht nur in seinen Museen dem Besucher die schönsten Kunstschätze Sachsens und der Umgebung. Auch beim Striezelmarkt, dem ältesten Weihnachtsmarkt Deutschlands, dürfen die Besonderheiten der Regionen nicht fehlen:
Dresdner Stollen, Pulsnitzer Pfefferkuchen, Holzschnitzkunst aus dem Erzgebirge, Dresdner Pflaumentoffel, Lausitzer Textilblaudruck, schlesische Keramik, böhmisches Glas und Meissner Porzellan werden dann nicht nur in den Dresdner Geschäften sondern auch auf dem Altmarkt angeboten.
Zahlreiche Kulturvereine pflegen ebenfalls die Nachbarschaft und den Austausch. Wirtschaftskontakte werden geknüpft, nicht zuletzt im World Trade Center. Auch der Tourismus ist zu einem bedeutenden Faktor der Begegnung geworden, kommen doch alljährlich über 100.000 Besucher aus dem Ausland in die Elbestadt, die mit dem Erbe Augusts des Starken eine neue, internationale Zukunft baut.
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